Wie schreibt man ein Drehbuch?

In Deutschland gibt es kein einheitliches Format oder irgendwelche Vorlagen. Deshalb nutzen viele deutsche
Drehbuchautoren das "amerikanische" Format, auf welches sich diese Site intensiv bezieht.
 

Allgemeines zur Form eines Drehbuches:

Schriftart sollte Courier Größe 12 sein, der Text sollte schwarz auf weiss gedruckt sein,

Zuerst muß man sich darüber im klaren sein, wie die Story aussehen soll. Die Story sollte also einmal
kurz und bündig  in einer Art Zusammenfassung existieren, das erleichtert dann später das Schreiben des
fertigen Drehbuchs.

Das Deckblatt eines Drehbuches sollte einfach ausfallen,

es beeinhaltet zentriert in der Mitte des Blattes den Titel des Filmes in Großbuchstaben, also :  

"PULP FICTION"

gefolgt vom Namen des Drehbuchautors und der Jahreszahl in dem es verfasst wurde:

"PULP FICTION"
by Quentin Tarantino (c) 1993

Unten links auf der Seite schreibt man schließlich die Anschrift und ggf. auch die Telefonnummer des Drehbuchautors auf.

Den ersten großen Abschnitt eines Drehbuchs nimmt die Charakter-Biographie ein. In dieser werden die
Hauptcharaktere gründlichst beschrieben. Für die Schauspieler ist es sehr wichtig zu wissen, was die einzelne Figur
erlebt hat, um ihr weiteres Handeln selbst besser verstehen zu können und um die Figur besser darstellen zu können.

Die Charakterbiographie setzt sich folgendermaßen zusammen:

vollständiger NAME der FIGUR(z.B. Katharina), evtl. Rufname (z.B. Kathy)
Alter, Größe, Geschlecht, Kleidung, Gestik, Mimik, spricht die Figur mit Akzent, Dialekt?
was hat die Figur Wichtiges für den Ablauf der Story durchlebt? was trägt die Person zur Story bei?

Es lässt sich allgemein nicht sagen, welche Information für den Schauspieler wichtig ist. Vielmehr sollte
der Drehbuchautor über dieses selbst entscheiden.

das EIGENTLICHE DREHBUCH:

um auf den Punkt zu kommen, eine Beispielszene:

Charaktere:
Arthur Castro   [ART]
Dieter Baldo     [DIET]
Bürgermeister   [BÜRG]

Szene 1
Ende der 1990er, Sommer, Nachmittag, Sonne scheint
Frankfurt/Rathaus/Arbeitszimmer des Bürgermeisters

[ART]
geht hektisch im Zimmer auf und ab:

Worauf warten wir hier eigentlich?

[DIT]

sitzt auf einem Stuhl, gelassen:

Warte doch einfach ab, dann siehst du schon, was hier los ist.

[ART]

ich hasse deine Geheimnißkrämerei..

[DIT]
energisch:

entweder du wartest jetzt, oder du, du, du....

[ART]
bleibt stehen, sieht DIT an, provozierend:

Du was?

BEIDE STARREN SICH AN.

[DIT]
verängstigt, schluckt:

Ach, ähmmm... g-g-gar nichts.

[BÜRG]
kommt plötzlich durch die Tür gestürmt, schreit:

FEUER!!!! ALLEMANN RAUS HIER!!!!

[DIT] u. [ART] rennen durch die Tür hinaus.

 

THE END


KURZE ZUSAMMENFASSUNG:

Zuerst wird die Szenennummer angegeben.
Dann wird die Zeit und die Location näher beschrieben, z.B. wie im obigen Beispiel
unterteilt mit " / " also in einzelne Ebenen gegliedert.

CHARAKTEREN werden 3 bis 5 GROßBUCHSTABEN zugeordnet. Diese werden bei AKTION in eckige Klammern gesetzt:

z.B. [DIT] für Dieter Baldo

KAMERAEINSTELLUNGEN werden grundsätzlich nicht einbezogen.
Beispiel: Ein Träne rollt ihr übers Gesicht.--> beeinhaltet natürlich eine Großaufnahme ihres Gesichts!!!

die SCHAUSPIELER denken selber mit. Überflüssiges sollte nach Möglichkeit VERMIEDEN werden, es verwirrt nur!
z.B. Er kniet vor dem Grab seiner Mutter nieder und sagt: Vergib mir. Der Schauspieler wird selbst eine emotionale
Betonung mit einbringen. Es ist nicht notwendig zu sagen, daß er traurig ist, daß ist absolut klar.
Natürlich muss aber sein Gefühl beschrieben werden, hadelt es sich bei IHM um einen Massenmörder, der kein bißchen
Reuhe zeigt, der ohne jegliche Bedenken ist. Aber im Normalfall trifft eben ersteres zu!

abschließend sollte immer THE END oder ENDE oder FIN das Ende der Geschichte abschließen. Es muss
eindeutig sein, das die Geschichte zu Ende ist. ist sie das nicht, sondern ist eine Fortsetzung geplant, so beendet man
das Drehbuch mit den Worten TO BE CONTINUED... oder FORTSETZUNG FOLGT...  .

In diesem Sinne vorerst THE END aber FORTSETZUNG FOLGT...

 

by Daniel C. Bernath (c) 1999